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Wenn Dialog Wurzeln schlägt

Kaiserwetter, Klänge und Speisen, die Geschichten von Glauben, Festen und Traditionen erzählen: Rund um den Lebensbaum im Grazer Volksgarten wurde am 27. September religiöse Vielfalt erlebbar. Eindrucksvoll waren die Celloklänge von Erich Oskar Hütter, der musikalische Traditionen aus Judentum, Christentum und Islam miteinander in Beziehung setzte. Beim „Buffet der Religionen“ ging es um mehr als ums Essen: Auf den Tischen fanden sich Speisen, die zu religiösen Festen und besonderen Anlässen gehören und von den Traditionen der jeweiligen Gemeinschaften erzählen. So wurde beim dritten Tag der Religionen, der zugleich das Fest zum 20-jährigen Bestehen des Interreligiösen Beirats war, hörbar, sichtbar und schmeckbar, was in Graz über Jahrzehnte gewachsen ist: der interreligiöse Dialog.

Mitglieder des Interreligiösen Beirats der Stadt Graz | Sonntagsblatt/Gerd Neuhold, Gerd Neuhold

Dass heute so selbstverständlich gemeinsam gefeiert wird, hat eine lange Vorgeschichte. Ihre Wurzeln reichen bis in die Friedensarbeit des Grazer Friedensbüros unter Leitung von Dr. Karl Kumpfmüller mit Sarajevo während des Bosnienkrieges zurück. Schon damals wurden Grundsätze für ein friedliches Zusammenleben in religiöser und kultureller Vielfalt formuliert: einander zuhören, die Identität des anderen achten und auch über Grenzen hinweg im Gespräch bleiben. Aus diesen Erfahrungen entstanden in Graz eine interreligiöse Arbeitsgruppe, 2003 die Kulturhauptstadt-Konferenz „Interreligiöses Europa“ und schließlich 2006 der Interreligiöse Beirat. Viele dieser frühen Gedanken finden sich auch in der Grazer Erklärung zum Interreligiösen Dialog wieder, die 2013 im Zuge der internationalen Konferenz ComUnitySpirit gemeinsam erarbeitet wurde. Zu dieser Zeit etablierte sich auch die gleichnamige Koordinationsstelle geführt von Eva Wenig am Afro-Asiatischen Institut in Graz.

Heute zeigt sich der Wert dieses gewachsenen Vertrauens dann, wenn es darauf ankommt: Wird eine Religionsgemeinschaft mit Gewalt oder Vandalismus konfrontiert, stehen die anderen solidarisch an ihrer Seite. Nach dem schrecklichen Amoklauf in Graz übernahm der Interreligiöse Beirat die Gestaltung des interreligiösen Gebets bei der Trauerveranstaltung der Stadt Graz. Dialog lebt ebenso von den schönen Momenten: Der Beirat schafft Räume, in denen Menschen Religionen und unterschiedliche Formen von Spiritualität kennenlernen, bringt Mitglieder der Gemeinden für gemeinsame Projekte zusammen und lädt immer wieder zur Begegnung ein – wie auch am Tag der Religionen.

Am Sonntag war diese Offenheit erlebbar: Am Nachmittag öffneten 15 Religions- und Bekenntnisgemeinschaften an 11 Standorten ihre Türen. Besucher konnten unter anderem eine Synagoge und eine Moschee besuchen, christliche Kirchen erkunden und buddhistische Tradition und Spiritualität kennenlernen. Dabei gab es Gelegenheit, Fragen zu stellen, religiöse Praxis unmittelbar zu erleben und mit Mitgliedern der Gemeinschaften ins Gespräch zu kommen. Um 17 Uhr trafen sich schließlich alle zur gemeinsamen Abschlussveranstaltung beim Lebensbaum im Volksgarten. Dass Menschen verschiedener Religionen nach einem Nachmittag in ihren jeweils eigenen Gotteshäusern am Ende gemeinsam unter einem Baum zusammenkommen, ist vielleicht das schönste Bild für das, was interreligiöser Dialog sein kann: in der eigenen Tradition verwurzelt sein und einander dennoch begegnen.

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Diözese Graz-Seckau

Katholische Kirche Steiermark Stadt Graz Interreligiöser Beirat

ComUnitySpirit - Kulturen und Religionen im Dialog

Ein Projekt von: Afro-Asiatisches Institut Graz

Leechgasse 24, A-8010 Graz

Tel. +43 316 32443458 | +43 676 87423309

office@comunityspirit.com 

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